Dossier zur Insolvenz von Magellan

Im Mai 2016 meldete die Magellan Maritime Services GmbH beim Amtsgericht Hamburg Insolvenz an, weil sie die Zahlungsverpflichtungen gegenüber den Anlegern nicht mehr erfüllen konnte. Das Unternehmen stellte sich stets als besonderes Unternehmen mit hoher internationaler Bedeutung dar. Es sei anders als die anderen Firmen in Deutschland kein Investmentanbieter, sondern eine Leasinggesellschaft. Andere Marktteilnehmer, die nicht das operative Geschäft, sondern bloß die Refinanzierung von Containerflotten am Kapitalmarkt betreiben würden, solle man nicht als das Maß aller Dinge betrachten.

Am 1. September 2016 eröffnete das Amtsgericht Hamburg das Insolvenzverfahren. Der Insolvenzverwalter Rechtsanwalt Peter-Alexander Borchardt prüft einerseits die Fortführung des Vermietungsgeschäfts bis zum Auslaufen der Leasingverträge und andererseits den schneller Verkauf der Containerflotte. Dazu kamen die Anleger auf der ersten Gläubigerversammlung am 18. Oktober 2016 zu Wort.

Zunächst zog der Insolvenzverwalter in Zweifel, dass die Anleger Eigentümer der Container sind. Dabei bezog er sich auf ein Gutachten. Nach der Gläubigerversammlung wurde ein weiteres Gutachten in Auftrag gegeben, das zu anderen Ergebnissen kam. Die Anleger sind zivilrechtlich Eigentümer der von ihnen finanzierten Container. Nachdem das geklärt war, forcierte der Insolvenzverwalter den Verkauf der Containerflotte. Dafür hat sich die Buss Gruppe, die selbst Anbieterin von Containerinvestments ist, in Stellung gebracht.

Schließlich wurden die Container an Buss verkauft. Darüber freuten sich nicht nur das Unternehmen, sondern auch der Insolvenzverwalter und der Gläubigerausschuss – obwohl die Anleger sehr viel Geld verlieren. Die Umstände und Details des Verkaufs werden geheim gehalten ebenso die Kosten für die Gutachten, den Gläubigerausschuss, den Insolvenzverwalter und das Insolvenzverfahren.

Ein Dossier:

3. Mai 2018: Magellan-Pleite: So billig werden Anleger abgespeist
Der Containermanager Magellan ging in die Insolvenz, just als der Containermarkt in einer zyklischen Krise mit absehbarem Ende und kurz vor dem Aufschwung war. Trotzdem haben der Insolvenzverwalter und der Gläubigerausschuss den raschen Verkauf der Container betrieben – zulasten der Anleger.

14. Dezember 2017: Anleger erhalten erstmals Geld vom Insolvenzverwalter
Die Containerinvestments von Magellan haben sich für die Anleger zur Tragödie entwickelt. Nach der Pleite im Frühjahr 2016 macht der Insolvenzverwalter nun erstmals die Kasse auf. Am Ende wird für die Anleger dennoch ein dickes Minus stehen.

17. Juli 2017: Buss erhält den Zuschlag
Die Investoren von Magellan haben für den Verkauf der Containerflotte gestimmt. Nun sollen sie bis Jahresende erstmals seit der Insolvenz im Mai des vergangenen Jahres wieder Geld bekommen.

25. Juni 2017: Abstimmung auf dünnem Eis
Buss will eine breite Zustimmung für das gemachte Kaufangebot, hält aber wesentliche Informationen zum Deal geheim (vollständiger Artikel nur mit Login).

15. Juni 2017: Insolvenzverwalter bestätigt Kaufinteresse von Buss
Das Verkaufsszenario für die Container des insolventen Magellan steht fest: Die Anleger sollen die Container für etwa die Hälfte ihres einstigen Kaufpreises veräußern. Der Gläubigerausschuss findet den Deal gut.

24. Mai 2017: Ex-Magellan-Chef mischt wieder mit
Nach der Insolvenz von Magellan ist Carsten Jans weiter im Containerbusiness tätig. Er ist Geschäftsführer einer neu gegründeten Gesellschaft, die dasselbe wie Magellan machen will.

16. Mai 2017: Käufer für Containerflotte gefunden
Der Prozess über den Verkauf der Magellan-Container läuft seit rund einem halben Jahr. Vor kurzem meldete der Insolvenzverwalter, nur noch mit einem Interessenten zu verhandeln. Den Namen nannte er nicht. FONDS professionell ONLINE weiß aber, wer es ist.

2. Mai 2017: Anleger müssen weiter bangen
Im Sommer will der insolvenzverwalter einige Mieten der Reedereien an die Investoren weiterleiten. Bis dahin kümmert er sich weiter intensiv um den Verkauf der Magellan-Container.

Mai 2017: Hängepartie
Ein Jahr nach der Insolvenz des Containermanagers Magellan ist noch nicht klar, wie groß der Schaden für die Anleger ist. Im Juli sollen sie erstmals Geld sehen (Der ausführliche Bericht und die Chronologie der Ereignisse sind in der FONDS professionell-Ausgabe 2/2017 erschienen und nach Login auch online abrufbar.)

31. März 2017: Gutachten bringt Wende
Die Aufregung nach der Insolvenz des Containermanagers Magellan war groß. Der ­Insolvenzverwalter stellte in Abrede, dass die Anleger rechtmäßige Eigentümer der Con­tainer sind, die sie im Wege von Direktinvestments erworben hatten. Dabei stützte er sich auf ein Rechtsgutachten der Kanzlei CMS Hasche Sigle (siehe FONDS professionell-Ausgabe 4/2016, Seite 148). Auf Beschluss des Gläubigerausschusses hatte Insolvenzverwalter Peter-Alexander Borchardt ein weiteres Gutachten in Auftrag gegeben. Der Autor Christoph Thole, Professor am Institut für Internationales und Europäisches Insolvenzrecht an der Universität Köln, sprach den Investoren das zivilrechtliche Eigentum zu. Nach Angaben des Anlegeranwalts Peter Mattil bedeutet das, dass der Insolvenzverwalter zwar die Container mit Zustimmung der Anleger verkaufen kann. Die Erlöse fließen jedoch nicht in die Insolvenzmasse, sondern sind durch das „Absonderungsrecht“ der Investoren an diese auszukehren. Bei Redaktionsschluss war der Verkaufsprozess noch im Gange. (Quelle: FONDS professionell-Ausgabe 1/2017).

19. Dezember 2016: Neuer Hoffnungsschimmer für Anleger
Geldgeber des insolventen Containermanagers waren geschockt: Angeblich gehören die Transportboxen gar nicht ihnen, sondern dem Unternehmen, behauptete der Insolvenzverwalter. Nach einem neuen Gutachten muss er nun zurückrudern.

25. November 2016: Entscheidung im Trüben
Auf der ersten Magellan-Gläubigerversammlung wurden die Weichen für den ­Verkauf der Container gestellt. Fest steht: Die Anleger werden viel Geld verlieren (vollständiger Artikel nur mit Login).

19. Oktober 2016: Magellan-Insolvenzverwalter: "Kein Schneeballsystem"

18. Oktober 2016: 1. Gläubigerversammlung in Hamburg – Live-Berichterstattung im fondstelegramm

10. Oktober 2016: Magellan-Pleite: Insolvenzverwalter macht tabula rasa

5. September 2016: Magellan-Pleite: Jetzt wird es ernst

17. August 2016: Magellan-Pleite: Management sieht Hauptschuld bei anderen

16. August 2016: Magellan-Pleite: Horror-Nachrichten für die Anleger

4. Juli 2016: Magellan-Pleite: Anlegern droht ein Desaster

22. Juni 2016: Magellan-Pleite: Falsche Angaben zum Geschäft irritieren Anleger

21. Juni 2016: Wie Anwälte Investoren in die Irre führen

16. Juni 2016: Magellan-Pleite: Werden gezielt Gerüchte gestreut?

10. Juni 2016: Magellan-Pleite: Containermarkt besser als von "Experten" behauptet

9. Juni 2016: Magellan-Pleite: Anwälte gründen Vereinigung für Vermittler

2. Juni 2016: Gericht entzieht insolventer Magellan die Eigenverwaltung – Vertriebspartner sind „erschrocken und enttäuscht“ – Anleger brauchen Geduld
Nach dem Gang zum Insolvenzgericht am Montag, 30. Mai lautete der Plan noch: Sanierung des Unternehmens in Eigenregie unter Beobachtung eines bestellten Sachwalters. Offenbar hat das Amtgericht Hamburg aber kurz darauf seine Einschätzung in der Sache geändert, die Eigenregie unterbunden. Ob es daran lag, dass der Schutz der Gläubigerinteressen gemäß Insolvenzordnung nicht hinreichend gewährt gewesen wäre … (vollständiger Artikel nur mit Login).

31. Mai 2016: Container-Anbieter Magellan ist insolvent – mit Analyse zu Produkt und Anbieter vom 19. Dezember 2013

31. Mai 2016: Container-Investments: Magellan schlittert in die Insolvenz

4. Mai 2016: Magellan in Zahlungsverzug
Der Containerinvestment-Anbieter Magellan kann derzeit die laufenden Zahlungen an die Anleger nicht plangemäß leisten. "Der Grund für die Verzögerungen für einen Teil der Mietzahlungen liegt darin, dass sich auch Zahlungseingänge und Abrechnungen seitens Reedereien an uns verzögert haben. Diese Verspätungen der Zahlungseingänge hat man durchaus auch schon in der Vergangenheit beobachtet – allerdings noch nie im aktuellen Umfang. Dennoch rechnen wir kurzfristig mit dem Eingang der Gelder", erklärte das Hamburger Unternehmen in einem Brief an die Investoren. Künftig sollen Zahlungsverzögerungen durch Zwischenfinanzierungen, die "in den letzten zehn Jahren nicht notwendig" waren, vermieden werden. (fp)

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Stand: 10.3.19 - 6:15